Diana Sirianni


Mittwoch, 13. Dezember 2017, 20:30 Uhr

Atelier: Ackerstr.6/7, 10115 Berlin, 2.QG, 2.Stock





Diana Sirianni | Untitled posters and cardboard | urban intervention | Berlin | 2017


13th December
20:30 h

I was born in Rome, Italy in 1982. Before moving to Berlin ten years ago to study visual arts at the UdK (by Gregor Schneider), I´ve studied Philosophy in Rome.

My artistic practice crosses the fields of painting, sculpture, photography, architecture, video, relational art and investigates visual, spacial, psychological systems of reference and meaning. It has as a background a reflection on the medium and its structures.

In the last three years I shifted my focus onto the investigation of contextual social structures and started to reflect about the spaces where I´ve been exhibiting as a material conveying social information, which brought me to investigate the public space.

I am also interested in the relationship between body and space. I see space, even digital space, as an impermanent construction arising from the presence and movement of the body. I myself practice contemporary dance, yoga and I became in the last years a somatic coacher, an activity that complements financially and humanly my engagement as an artist.

Two years ago I´ve started an artistic collaboration with the dancer/choreographer Naama Ityel, realizing workshops about visual, space and body at the UdK “Collage as an Attitude” and “Contact-Lenses” at the museum ZKR (Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum). In January 2018 they will facilitate another workshop at the University of Art in Berlin: “Empowerment workshop for artists* in the capitalist era”.

Text: Diana Sirianni 
 

Anne Gathmann

Mittwoch, 29. November 2017, 20:30 Uhr

Atelier: Bornholmer Str. 96, 10439 Berlin, 3. OG VH



Das Volumen der Folie (01) | Glasrohre, Buchenholz 5 x 146 cm  | Ortspezifische Installation | Sonntag   
 Berlin | 2014 




Ausgangspunkt meiner medienübergreifenden, ortsspezifischen Praxis ist die Auseinandersetzung mit Beschaffenheiten des Daseins. In Anordnungen aus Glas, Holz, Gips, Metall und Projektionen reflektiere ich Formen des Vorhandenseins im Spannungsfeld zum Nicht-Sichtbaren und Außersprachlichen. Mittels minimaler Eingriffe decken meine Arbeiten die Instabilität von Realitäten auf. 

Anne Gathmann 

www.annegathmann.com 

Franziska Hünig

Mittwoch, 8. November 2017, 20:30 Uhr

Atelier: Pankstr.12, 13127 Berlin





Franziska Hünig | Ausstellungsansicht: Thermen am Viehmarkt | Trier | Acryl auf Werbeplanen | 200x300x700cm |
2013 


Meine Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Von mir gesteuerte Aktionen wechseln ab mit dem Zulassen der Eigendynamik des Materials. Dieses Thema verhandle ich sowohl beim Auftragen der Farbe als auch bei der Installation der Arbeiten im Raum. Der Arbeitsprozess ist immer ein Nachdenken über Malerei, bei dem ich eine Art „geplanten Zufall“ nutze.

Für meine raumgreifenden Installationen bemale ich die Rückseiten ausrangierter Werbeplanen in einem vorher festgelegten Farbspektrum. Der Farbauftrag variiert von sehr dünner, aquarellhaft fließender Farbe bis zu dichten, reliefartigen Farbsetzungen. Im Malprozess beziehe ich zufällige Strukturen ein, die zum Beispiel entstehen, wenn die Farbe fließt oder mit einer Rakel geschoben wird.

Wie der Farbauftrag folgt auch die Installation der Planen im Ausstellungsraum dem Prinzip der Wechselwirkung zwischen den Eigenschaften des Materials und meinem Eingreifen. Obwohl mein Ziel eine präzise Komposition ist, lasse ich im Arbeitsprozess Zufälle zu, die durch das Fallenlassen, Rollen oder Knüllen der Werbeplanen entstehen oder ich lasse das Material unmittelbar auf den Raum reagieren, indem ich die Planen über architektonische Elemente lege. Die mit Werbung bedruckten Vorderseiten der Werbeplanen beziehe ich in meine Installationen ein. Die gedruckten Bilder sind zufällig gefunden und fragmentarisch, da ich die Planen vor dem Malen zerschneide.

Das raumgreifende Format der Arbeiten ist mir wichtig, weil es die Möglichkeit bietet, den Betrachter emotional, physisch und sinnlich einzubeziehen. Die Malerei bewegt sich aus der Zwei- in die Dreidimensionalität und tritt zum Raum und zum Körper in Beziehung. Die Farbe soll bei der Bewegung durch den Raum gleichzeitig gesehen und physisch wahrgenommen werden.

In meinen Installationen interessiert mich eine Offenheit, die es der Malerei ermöglicht, in Dialog mit der Architektur und dem Betrachter zu treten. Ich greife unmittelbar in die vorgefundene Umgebung ein und reagiere auf die spezifische Beschaffenheit des Raumes. Ziel ist nicht ein endgültiger Bildzustand, sondern die Möglichkeit, beim Begehen der Installation ständig neue Beziehungen herzustellen. Der Betrachter befindet sich im Bild und das Bild verändert sich durch seine Bewegung im Raum.

Parallel zu den raumbezogenen Arbeiten entwickele ich Arbeiten auf Aluminium. Auch bei diesen Arbeiten ist die Balance zwischen den Eigenschaften des Materials und meinem Eingreifen wesentlich. Die bemalten Platten werden von mir gefaltet, geknautscht, gebogen. Dabei habe ich nicht die volle Kontrolle darüber, wie sich das Material verhält. Auch bei diesen Arbeiten wird die Form sowohl durch mich als auch durch das Material bestimmt, unkontrollierbare Aspekte fließen ein.

Franziska Hünig

www.franziskahuenig.net 

Caroline Kryzecki

Mittwoch, 18. Okober 2017, 20:30 Uhr

Ort: Sexauer Gallery, Streustr. 90, 13086 Berlin



Abbildung: 
Caroline Kryzecki | Ausstellungsansicht COME OUT (TO SHOW THEM), Sexauer Gallery, Berlin | Foto: Marcus Schneider

Interview mit Jan-Phillipp Sexauer und Caroline Kryzecki

JPS: Caroline, Du bist bekannt für Deine Kugelschreiberzeichnungen, die häufig aus tausenden mit einem Lineal gezogenen Linien bestehen und bis zu 270 x 190 cm groß sind. Diesmal hast Du eine Bodenarbeit realisiert, 15 x 15 Meter. Warum?
CK: Für mich ist das eine riesige Zeichnung. Der graue Fußboden der Galerie, den man jetzt nicht mehr sieht, ist sonst sehr dominant. Er ist mit Abstand die größte Fläche in der Galerie, weit größer als die Wände. Mir ist die körperliche Erfahrung wichtig. Durch die Bodenarbeit verändert sich die gesamte Raumwahrnehmung. Die Wände, selbst die Decke, erscheinen rosa durch das Abstrahlen der roten Bodenfläche. Es ist anstrengend, sich dem auszusetzen, es kann einem schwindelig werden. Das Linienraster habe ich schräg in den Raum gesetzt, es bedeckt somit den Boden nicht komplett. Die Siebdrucke schon, aber eben nicht das Raster. Eine Referenz an die Papierarbeiten, die Zeichnung liegt quasi in der Halle. Die Halle ist quadratisch. Das unterlaufe ich, indem ich ein schräg verschobenes Hochformat suggeriere, was zu einer zusätzlichen Spannung führt.
JPS: Du hast die Arbeit aus über siebenhundert einzelnen Siebdrucken zusammengesetzt, ein sehr aufwändiges Verfahren. Warum Siebdruck?
CK: Meine Arbeiten sind immer handgemacht und damit analog. Auch wenn sie manchmal auf den ersten Blick aussehen wie maschinell hergestellt oder computergeneriert. Für die Bodenarbeit habe ich, anders als bei meinen Zeichnungen, mit rasterbasierten Modulen gearbeitet, die im Grunde wie eine Tapete funktionieren. Das bedeutet, dass die Struktur sehr regelmäßig konstruiert ist. Um dennoch die menschliche Ungenauigkeit, die meinen Zeichnungen zugrunde liegt, in die Bodenarbeit zu übersetzen, habe ich mich für Siebdruck entschieden. Siebdruck ist ein analoges Druckverfahren, jedes Blatt sieht ein bisschen anders aus. Auch die Vorlage für den Siebdruck ist mit Hand gezeichnet und konstruiert. Es gibt diese kleinen Fehler und Abweichungen, welche die Arbeit lebendig machen. Das gibt den Arbeiten etwas Humanes, etwas Nicht-Kontrollierbares. Ich bin davon überzeugt, dass der Betrachter das wahrnimmt, wenn auch unbewusst. Außerdem erfordert Siebdruck Kraft. Wie die großen Kugelschreiberzeichnungen ist der Siebdruck eine körperliche Herausforderung, besonders in der großen Anzahl der Drucke, aus der die Bodenarbeit besteht. So gleicht die Arbeit mehr einer individuellen Zeichnung als einem typischen Druck. Ein Original, das aus Reproduktionen entsteht.
JPS: Der Ausstellungstitel: Come out (to show them). Worauf beziehst Du Dich da?
CK: Das ist der Titel eines Stücks des Komponisten Steve Reich. Reich arbeitet dort mit mehreren Tonbandgeräten und der immer gleichen Wortsequenz „come out to show them“. Ein Zitat aus der Aussage eines Jungen, der Opfer von Polizeigewalt wurde. Das wird immer wiederholt. Durch die leicht unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Tonbandgeräte kommt es zu einem – fast könnte man sagen – hörbaren Flimmern. Wie auch bei den Zeichnungen und der Bodenarbeit. Auf mich wirkt dieses Verfahren von Reich, diese Phasenverschiebungen, also kleinste Abweichungen eines immer wiederkehrenden Gleichen, sehr vertraut. Auch interessiert mich, dass der Nucleus seiner Arbeit einen Bezug zur Wirklichkeit hat. Bei meiner Arbeit ist das allerdings nicht so direkt wie bei Reich. Meine Kugelschreiberzeichnungen sind von Fotografien angeregt, die ich von wiederkehrenden Strukturen aus der Alltagswelt gemacht habe. Übereinander gestapelte Bauteile, Fassaden, Zäune, Mauern.
JPS: Ist für Dich das Konzept wichtiger oder die Ausführung?
CK: Für mich ist auch die Ausführung wichtig. Anders als bei Sol LeWitt, dem ja die Idee wichtiger war. Obwohl ich sehr systematisch arbeite, steht für mich am Anfang eines Prozesses immer ein intuitiver Zugriff. Da bin ich näher an Steve Reich. Für mich ist die systematische Herangehensweise Werkzeug, aber nie Selbstzweck. Auch nachdem das Konzept oder System festgelegt ist, bleibt die Ausführung von Bedeutung und das Erleben des Betrachters, ähnlich wie in der Musik. Durch das repetitive Moment bekommt das Ganze eine zeitliche Dimension. Wiederholung ist ja nur „in der Zeit“ möglich. Dadurch, dass der Ausstellungsbesucher der Arbeit ununterbrochen ausgesetzt ist, wird das zeitliche Moment noch verstärkt. Er kann sich ihr nur entziehen, indem er den Galerieraum verlässt.
JPS: Was war für Dich das Faszinierendste bei dieser Arbeit?
CK: Da gab es viel. Spannend war aber sicher, dass ich bis zur endgültigen Fertigstellung der Arbeit nicht wissen konnte, wie sie am Ende aussehen wird. Und anders als bei nicht ortsspezifischen Arbeiten, hätte ich sie auch nicht einfach durch eine andere ersetzen können. Ich habe nur den einen Versuch. Das konnte ich vorher auch nicht simulieren. Wenn ich dann nach Fertigstellung der Arbeit zum ersten Mal durch die Halle laufe und es „funktioniert“, ist das natürlich großartig. Und natürlich passieren auch Dinge, die ich nicht vorhergesehen habe. Das ist das Wichtigste bei so einer Arbeit.

www.kryzecki.de 

Jan Klopfleisch

Jan Klopfleisch
Mittwoch, 27. September 2017, 20:30 Uhr
Pankstr. 12, 13127 Berlin (S-Bahn Blankenburg)


sl,  2017, tusche, papier, 32x25cm

sl
harmonograph / erfinder? prof. hugh blackburn, mathematiker, glasgow, 1844 / viktorianischer unterhaltungsapperat, soirees / zeichenmaschine mit 2 pendeln, die verbunden sind und einen stift steuern / frequenzverhältnisse veränderbar / harmonische figuren - chaotische figuren / harmonische figuren: prime 1:1, oktave 2:1, quinte 3:2, quarte 4:3... / lissajous figuren / abbildung von harmonien, schwingungen, zeit / ton um das tausendfache verlangsamt / 2 pendel mit gleicher frequenz - einfache prime = spirale / ungleichgewicht - gleichgewicht - energieausgleich / vorher- jetzt- danach / überlagerung der zeichnungen -  interferenzen / mechanischer ablauf - intuitiver eingriff / störungen / verdichten

Text: Jan Klopfleisch


Sinta Werner

Mittwoch, 12. April, 20:30 Uhr

Kamekestr. 11, 13409 Berlin

 


Die optische Abkürzung
Dachlatten, Sperrholz, Furnier, LED-Streifen, Plexiglas, Farbe
Ausstellungsansicht:
'Die optische Abkürzung',
o.T./Raum für aktuelle Kunst,
Luzern (CH), 2013


In meinen Installationen wird der vorgefundene Raum an sich zum Ausstellungsgegenstand. Anhand von Spiegelungen, Verdoppelungen und Verschiebungen architektonischer Elemente werden die festen Koordinaten des Gebäudes aufgelöst; der Raum erscheint gespalten und fragmentiert. Meine Arbeit befindet sich an der Schnittstelle zwischen Zwei- und Dreidimensionalität, zwischen Bild, Skulptur und Architektur. 


So wird z.B. durch den Einsatz eines imaginären Spiegels, durch das in den Raum übertragene Prinzip der Collage oder durch bühnenbildartige, perspektivisch verkürzte Einbauten der Eindruck von Flächigkeit im Raum erzeugt. Dem Betrachter wird ein zunächst in sich stimmiges Bildgefüge vorgeführt, welches beim Verlassen des Betrachterstandpunktes in sich zusammenfällt. 



Text: Sinta Werner




Maik Teriete

Mittwoch, 01. März, 20:30 Uhr

berlin-weekly, Linienstr. 160




Anschein
410 x 290 x 330 cm
Foamboard, Nylonfaden
2017


Die Installation „Anschein“ ist eine Skulptur ohne ein Inneres. Es handelt sich hier nicht um ein Volumen, das durch eine Oberfläche abgeschlossen wird. Die Installation ist sowohl ein Zusammenhang gestalteter Formen, als auch das Gebilde, das diese mit dem umgebenden Raum bildet. Dieser Raum ist nicht von der Skulptur zu trennen.  Die Formen nehmen ihn auf, greifen in ihn ein und definieren ihn neu. Die endgültige Form muss erst gefunden werden in einem stetigen Prozess aus Zufügen und Wegnehmen. Es geht um die richtige Balance zwischen konkret und abstrakt, zwischen zu viel und zu wenig, zwischen geordnet und chaotisch. Ähnlich wie beim Akt des Zeichnens wird der Raum zur Oberfläche, auf der Linien und Formen angeordnet werden. Wie beim Akt des Bildhauens entsteht eine Form, die wie Fred Sandback gesagt hat, „eine Gesamtheit darstellt, die nicht reduziert werden kann“.

Das Besondere am Ausstellungsraum berlin-weekly ist, dass er durch eine Fensterfront zur Straßenseite hin abgeschlossen ist. Er ist ein Raum, der zwar Einblicke ermöglicht, aber nicht betreten werden kann. Ähnlich wie ein Schaufenster bietet er die Möglichkeit, zu verweilen oder aber daran vorbeizugehen. Durch die Betrachtung, die im Vorbeigehen und durch Verweilen möglich ist, verändert sich auch die Skulptur „Anschein“. Indem die Betrachtenden ihren Standpunkt verändern, verändert sich auch der Eindruck der gesamten Installation. So liegt der richtige Moment der Aufmerksamkeit im Auge und auch im Körper des Betrachters.

Maik Teriete